Wie stehst du zur KI? Freund oder Feind? Diese 9 Fragen helfen dir, deine Haltung zur KI klarer zu bekommen.

Seit mehr als drei Jahren haben wir ein Thema auf dem Tisch, das uns beschäftigt: die KI. Wenn ich so zurückschaue, sehe ich mich ein wenig überschwemmt von all den Rufen: der grenzenlosen Begeisterung einerseits, der Verteufelung auf der anderen Seite. Die einen sehen nur Chancen und Potenzial, die anderen erkennen Zeichen für einen Weltuntergang. Dazwischen fühlt sich so mancher hin und her geschleudert wie in einer Zentrifuge. Viel Unsicherheit, gedankenloser Gebrauch, Spaß sicher auch. Oft keine klare Haltung zur KI im Kopf.
„Zwischen den Extremen fühlt sich so mancher immer noch hin und her geschleudert wie in einer Zentrifuge. Viel Unsicherheit, gedankenloser Gebrauch, Spaß sicher auch.“
Ganz ehrlich? Ich wäre froh, wenn sich der Sturm bald legt. Wenn die Menschen sich dessen bewusst werden, dass KI weder Heilsversprechen noch des Teufels ist, sondern schlicht und ergreifend ein Algorithmus. Ein Tool mit besonderem Potenzial in vielen Bereichen, mit Sicherheit Teil des Paradigmenwechsels, in dem wir übrigens ohnehin schon seit der Digitalisierung stehen und nicht erst seit KI.
Wäre schließlich Ruhe, dann könnten wir endlich unsere Arbeit tun und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Tool lernen. Und eine klare Haltung zur KI entwickeln, die unseren eigenen Werten entspricht.
Nun sag, wie hast du’s mit der KI?
Ich war eine von jenen, die es hin und her geschleudert hat. Zuerst die Neugier, wie immer, wenn mir etwas begegnet. Was ist das denn für ein neues Zeug? Wow! Dann schnell die Ernüchterung: Ich gehöre zu jenen Millionen Kreativen, deren geistiges Eigentum als Lernbasis für die LLMs genommen wurden. Hochoffiziell bestohlen trotz Urheberrecht, und keiner kann denen an den Kragen. Eine bittere Pille!
Dann begann ich ein wenig mit Prompts zu experimentieren, fand viele Ergebnisse erheiternd bis problematisch, andere wieder toll. Es gab Kundenabsagen (zu wenig KI in meinem Angebot) und Kundenbestärkung (genau der richtige Mindset!). Ich wurde belächelt von den KI-Fans, böse angeschaut von den KI-Gegnern. Ich hatte Angst davor, nie wieder Bücher und Blogartikel schreiben zu können, weil die KI ja eh schon alles weiß. War wütend, weil Menschen mithilfe der KI den Buchmarkt kaputtmachen. Letzteres bin ich manchmal immer noch.
Was mich vor all der Unsicherheit, der Angst und Wut aber rettet, sind zwei Fragen, die vielleicht auch dir weiterhelfen:
Wer will ich sein, um im Resonanzfeld der KI Position zu beziehen? Wie antworte ich dem Leben auf diese Entwicklung?
Nimm den Controll Stick in die Hand und spiele
Mich beruhigen derlei Fragen immer sehr. Sie holen mich aus jeder Jammerecke heraus und verwandeln mich von der Heulsuse zur Erwachsenen mit Bodenhaftung. Wer immer nur über dasselbe jammert und nie etwas dagegen tut, bleibt in einer Abhängigkeit. Beim Jammern konzentriert man sich ja auf das, was nicht geht, was nicht gut ist. Auf das Negative. Jammern kann kurzfristig die Seele entlasten, aber wenn du drin hängenbleibst, zieht es dich immer weiter hinunter. Lösung bringt es dir jedenfalls keine.
„Wenn du dich auf diese Sinnfragen konzentrierst, erkennst du deinen Spielraum. Der Horizont weitet sich.“
Wenn du dich aber auf diese Sinnfragen konzentrierst, erkennst du deinen Spielraum. Der Horizont weitet sich. Du gewinnst Freiheit, weil du Selbstverantwortung übernimmst. Du siehst die Notwendigkeit, dass du ins Tun kommen musst, damit es dir besser geht. Diese Fragen sind der Auftakt, mit denen du dein Leben gestaltest, weil die Antworten auf diese beiden Sinnfragen das Fundament all deines weiteren Handelns ist.
Drei Seiten einer Medaille
Einer meiner Lieblingszitate stammt von G.W. Heyse: „Jede Medaille hat zwei Seiten: Wer sie ganz verstehen will, muss auch den Rand betrachten.“ Ist das nicht ein schönes Bild für den Zwischenraum zwischen den Extremen, für die Meta-Perspektive, die so viel wichtiger ist? Passt hier ja. Man kann die KI verteufeln oder anhimmeln, die Realität liegt wohl eher irgendwo dazwischen. Fragt sich nur wo genau.
Denn das Thema KI ist ja nicht gerade ein einfaches, das man schnell durchschaut. Ich war kürzlich auf einem Weiterbildungswochenende meines Profischreiberinnen-Netzwerks Texttreff. An die 100 Frauen an einem Ort, die schreibend ihr Geld verdienen, von der Journalistin bis zur Autorin. KI war selbstverständlich ein Hauptthema, über das ich mich intensiv ausgetauscht habe. Die verschiedensten Meinungen dazu hörte ich, und keine glich der anderen, aber alle irgendwo ein Punkt im Zwischenraum. Das fand ich sehr bereichernd.
Wie viele andere habe auch ich mich in den letzten Jahren eingelesen und aufgeschlaut. Das muss man, wenn man eine eigene Haltung zur KI entwickeln will. Wer nicht länger als Lemming den KI-Freaks oder KI-Gegnern nachlaufen will, ist gut beraten, sich nicht nur eine Seite, sondern möglichst viele Seiten anzuschauen. Immer mit einem kritischen Auge auf die Seriosität der Quellen. Immer auch in dem Bewusstsein, dass man wohl nie alle Aspekte der KI in der Tiefe durchdringen kann.
„Das Thema KI ist kein einfaches, das man schnell durchschaut. Möglichst viele verschiedene Standpunte anschauen, das sollten wir tun.“
Entwickle deine eigene Haltung zur KI
Wir haben ein Hirn nicht nur zum Spazierentragen. Sondern zum Denken. Man kann schon mal die Meinung von jemandem übernehmen – jedoch nur, um sie zu prüfen und so anzupassen, dass sie den eigenen Werten und Lebensprinzipien entspricht.
Hier ein paar Fragen, an denen du deine Haltung ausrichten und sie schärfen kannst. Es sollen Denkanstöße sein – nicht dass du glaubst, ich hätte alle Antworten parat! Ich bin ja auch auf der Suche und immer bereit, meine Meinung neu auszurichten. Diese Fragen hier finde ich besonders spannend:
- Was hältst du davon, dass die KI uns das Denken abnimmt? Ich habe kürzlich einen spannenden Podcast gehört, vielleicht interessiert er dich auch: Es ist die Sendung „Gehirn gehört“ des Neurologen und Psychiaters Volker Busch. In der Folge „Werden wir dümmer? Über den Einfluss der künstlichen auf die menschliche Intelligenz“ vom 1.11.2025 befasst er sich aus neutral wissenschaftlicher Sicht damit.
- Was macht es mit uns Menschen, wenn wir Kreativität und Analyseaufgaben an eine Maschine abgeben? Kreativität ist schließlich eine höchst menschliche Gabe! Wie könnten wir die Sinnlücke füllen, wenn Kreativleistung womöglich einmal nicht mehr gebraucht wird?
- Wird KI uns mehr nützen oder mehr schwächen? Was müssen wir tun – was kannst du tun, damit sie dich nicht schwächt?
„Wenn die KI uns tatsächlich vieles abnehmen kann, wie nützen wir dann sinnvoll die gewonnene Zeit?“
- Wenn die KI uns tatsächlich vieles abnehmen kann (oder in Zukunft können wird), was machen wir dann mit der gewonnenen Zeit? Diese Frage finde ich ja besonders spannend. In einem Gespräch sagte mir mal einer, die KI ermögliche uns, stattdessen etwas anderes zu tun. Aber werden wir etwas Sinnvolles tun? Oder hängen wir dann noch mehr rum und scrollen stundenlang am Handy?
- Wie viel Verantwortung sollen und wollen wir den KI-Tech-Riesen abgeben und uns damit abhängig machen? Was kannst du dazu beitragen?
- Und wie steht es mit der Wahrheit? Wie gut kann es uns gelingen, oberflächlich plausibel scheinende Antworten zu durchschauen? Was tust du, um dich nicht hinters Licht führen zu lassen? Wie sehr bist du gefeit davor, dich von der immer zustimmenden KI verführen zu lassen?
- Wie konkret möchtest du mit KI umgehen? Zu welchen Fragen würdest du niemals den Rat der KI einholen? Warum? Welche deiner Werte berühren diese Fragen? Schau doch mal rüber zu meiner Kollegin Christa Goede, der „KI-Realista“, sie bietet Workshops dazu an. Solltest du im Kreativsektor arbeiten, interessiert dich vielleicht auch das MI-Gütelabel, das auch ich habe, mit dem ich gewisse Standards in der Nutzung von KI einhalte.
- Wie hältst du es mit den Auswirkungen städtegroßer KI-Farmen auf eine intakte Umwelt? Ein durchschnittlicher Prompt verursacht Energiekosten, wie ein Handy in einem halben Tag braucht, las ich kürzlich in der ZEIT. Wenn Wasser knapp wird, wer bekommt es dann zuerst: die KI-Farmen, um zu funktionieren, oder wir Menschen? Welchen Beitrag möchtest du dazu leisten, dass die Umweltkosten nicht überborden?
- Wie siehst du die Entwicklung am Arbeitsmarkt? Stehen wir vor Massenarbeitslosigkeit? Oder wird sich alles gut entwickeln? Oder sind wir zumindest teilweise fein raus, weil dann endlich unser Pflegenotstand gelöst ist und Roboter unsere Kranken und Alten betreuen?
Du kannst natürlich all diese und noch andere Fragen gleich postwendend die KI fragen. Ich bin sicher, sie hat auf alles eine Antwort. Falls es dich in den Fingern juckt: Gib dir die Chance, erstmal selbst zu denken. Was übrigens sowieso generell eine gute Idee ist:
Bevor du die KI oder eine Suchmaschine befragst, denk zuerst selbst nach. Vielleicht brauchst du das Internet dann gar nicht mehr.
(Foto: privat)





