Neujahrsvorsätze, hop-hop? Es geht auch anders

Mit vollem Elan ins neue Jahr? Neujahrsvorsätze gelingen sehr oft nicht und sind auch oft nicht sinnvoll. Mach es anders! Über den Sinn der dunklen Winterszeit und gute Alternativen zum Jahresbeginn.

Frau, die sich unter der Decke einigelt

Na, das neue Jahr mit voller Energie angegangen? Neujahrsvorsätze gemacht, Jahresziele festgelegt? Und auch gleich mit der Umsetzung begonnen?

Also ich spiele da nicht mit. Am Neujahrstag sowieso nicht, weil so eine lustige Silvesternacht mit Freunden lang ist und ich es am ersten Tag des neuen Jahres höchstens zu einem Spaziergang schaffe (aber das immerhin!). Und überhaupt: Nach der langen stressigen Adventzeit und den schönen, aber trotzdem anstrengenden Feiertagen habe ich überhaupt keine Lust auf Tempo.

Und einmal ehrlich: Wofür soll das gut sein, von jetzt auf gleich Ziele aus dem Ärmel zu schütteln? Damit ich gleich wieder Stress habe? Mir erscheint das nicht sinnvoll.

Der Rhythmus, wo ich immer mit muss

Ab etwa Mitte November beginnt für die meisten der weihnachtliche Countdown. Die Weihnachtsmärkte geben den Startschuss. Sobald die ersten öffen, denkt man an Weihnachten und was noch alles zu erledigen ist. Jetzt abgesehen davon, dass ich es interessant finde: Muss wirklich alles im alten Jahr erledigt sein? Wozu dieser Stress, wo doch – ehrlich gesagt – vieles genauso gut auf den Jänner warten kann. Aber der kollektive Trubel nimmt uns gefangen und wir müssen mit.

Ist Weihnachten dann geschafft, geht es weiter mit dem Stress. Jetzt gilt es, Neujahrsvorsätze zu machen. Berufliche oder private Ziele festzustecken. Und am besten gleich mit der Umsetzung beginnen.

Von Stephan Remmler stammt die Liedzeile „Der Rhythmus, wo ich immer mit muss“ (aus: Keine Sterne in Athen), und er meint: Es kann nicht gutgehen, wenn er den Rhythmus seiner Freundin annehmen muss. So ist das generell. Entspricht es wirklich deinem Rhythmus, ab November tausend Dinge zu erledigen, von denen du viele bis dahin auch nicht erledigt hast? Die Welt ist dadurch nicht untergegangen.

Lieber an den Rhythmus der Natur orientieren

Ich halte mich lieber am Rhythmus der Natur. Jede Jahreszeit hat ihren Sinn. Im Frühling wächst alles, im Sommer reift es. Im Winter schläft die Natur oder ist nur sehr reduziert aktiv. Und so ist der Winter kein verhunzter Sommer, sondern auch er hat einen Sinn. Nämlich den, dass wir zur Ruhe kommen, um im Frühling wieder Energie zu haben.

Der Winter ist kein verhunzter Sommer. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Sinn!

Im Winter dürfen wir es langsamer angehen – so sollte es wenigstens sein. Wenn ich die Singvögel in unserem Garten beobachte, stelle ich fest: Sie zeigen sich viel seltener, fliegen nur dann unsere Futterstelle an, wenn es notwendig ist. Einige Tiere sind überhaupt in Winterruhe oder im Winterschlaf wie Mäuse und Igel oder der hübsche Fuchs auf dem Bild.

Wir Menschen sind offenbar nicht für den Winterschlaf gedacht, doch ich bin sicher, dass unsere Vorfahren eine gewisse Winterruhe zelebriert haben. Sie haben energiesparend nur das Nötigste getan, weil Nahrung als Energielieferant nur eingeschränkt vorhanden war.

Das ist heute ganz anders. Unsere Kühlschränke sind voll, und wenn nicht, dann ist der Supermarkt nicht weit. Energie ist also im Überfluss vorhanden. Und während man beispielsweise in der Biedermeier-Zeit noch die langen Abende Geschichten erzählend bei Kerzenschein verbracht hat, können wir dank Elektrizität heute die Nacht zum Tag machen. Die einsetzende Dunkelheit ist dank Thomas Edisons Glühbirne (1880 erfunden) schon lange kein Grund mehr, sich zurückzuziehen.

Im Winter haben wir mehr Schlafbedürfnis

Trotzdem haben wir im Winter ein erhöhtes Schafbedürfnis. Man mag das fehlende Sonnenlicht dafür verantwortlich machen und die damit einhergehende erhöhte Melatonin-Ausschüttung in unserem Körper. Doch ich denke, der Sinn des Winters besteht schlichtweg in der Regeneration. Kein Mensch kann jahraus, jahrein auf vollen Touren arbeiten. Auch wenn manche das tun. Ich frage mich, wie gesund es sein kann, dieses natürliche Phänomen in unserem Körper auf Dauer zu ignorieren. Pausen braucht der Mensch. Nicht einmal eine Maschine kann pausenlos laufen, ohne kaputt zu werden.

Und noch einen Verdacht habe ich – ohne eine wissenschaftliche Antwort dafür zu haben: Kann es sein, dass dieses Ignorieren nicht nur zu mehr Müdigkeit, sondern auch zum gefürchteten Winterblues führt? Vielleicht ist eine Winterdepression kein Kampf gegen den Winter, sondern gegen den Stress.

Ich habe erst kürzlich über Winterblues und Winterdepressionen geschrieben und Ideen angeregt, was man dagegen tun kann. Da steht nicht zufällig so einiges über Rückzug und Ruhe. Heißt nicht, dass wir nicht auch Party machen können. Wenn uns der Blues einholt, ist Ablenkung auf jeden Fall eine gute Idee. Trotzdem scheint es mir wichtig, für viel Ruhe und Erholung zu sorgen.

Wenn wir im Winter nicht auf die natürlichen Bedürfnisse hören, ist es kein Wunder, wenn wir ihn nicht gut aushalten.

Alternativen zum Neujahrsvorsatz

So gesehen brauchen wir im Jänner, nach all dem Weihnachtstrubel, keine Abnehm-Challenge und auch keine frisch aufgestellte To-do-Liste, die wir umzusetzen haben. Viele der Tipps, die ich in oben erwähnten Artikel aufgelistet habe, gelten auch als gute Alternativen zum Neujahrsvorsatz.

Me-Time: reflektieren und sich rückbesinnen

Neujahrsvorsätze haben vor allem deshalb so wenig Chancen auf Realisierung, weil sie vorschnell getroffen werden. Die Freundin nimmt sich vor abzunehmen – super Idee, denkst du, ein paar Kilo könnten nicht schaden, also wird das auch zu deinem Vorsatz. Das ist der eine große Fehler dran: Das Vorhaben ist nicht deins, sondern ein geborgtes. Dementsprechend stehst du auch nicht wirklich dahinter. Ein weiteres Manko an Vorsätzen: Sie werden oberflächlich und flapsig formuliert.

Mach es besser, indem du deine Vorsätze und Ziele im Wintermodus definierst. Sprich: mit Bedacht, mit Tiefgang! Beginne vielleicht mit einer Rückschau.

  • Reflektiere in Ruhe das vergangene Jahr. Was ist alles passiert? Was waren die Highlights? Was ist gut und was weniger gut gelaufen? Wenn du Inspiration brauchst, lies gerne in meinen Jahresrückblick rein.
  • Was hast du letztes Jahr gelernt? Was waren deine Energietankstellen? Worauf bist du stolz (oder froh, dass du es geschafft hast)?
  • Was sind deine Besonderheiten, deine Stärken? Worin haben sie sich im letzten Jahr gezeigt?

Lass dir Zeit für diese Fragen. Blättere zurück in deinen Fotos, im Tagebuch (so du eines führst), im Kalender. Vielleicht magst du einen ähnlichen Jahresrückblick schreiben wie ich. Du musst ihn ja nicht veröffentlichen 😉

Erst dann wende dich deiner Zukunft zu

  • Was könntest du dieses Jahr mit deinen Besonderheiten und Stärken anstellen? Wonach rufen sie denn?
  • Erstelle keine To-do-, sondern eine To-wish-Liste (Inspiration gefällig? Bitte gerne hier lang!). Sortiere deine Wünsche nach Prioritäten: Was wäre dieses Jahr besonders sinnvoll anzugehen? Stell dir vor, es ist Ende 2026: Welche deiner Wünsche, die du umgesetzt hast, sind dir wirklich wichtig?
  • Nun schau, welche dieser Wünsche wirklich zu dir passen. Welchen deiner Werte entsprechen sie? Wie wichtig es ist, dem Eigenen zu folgen, kannst du in vielen meiner Artikel finden, zB hier.
  • Schreib am besten alles auf (ich habe da so das Bild von Sofa, Kaminfeuer, Notizbuch und Stift und einem feinen Gläschen vor meinem geistigen Auge).

Für diese beiden Schritte – die Rückschau und den Blick in die Zukunft – solltest du dir viel Zeit gönnen. Eine Woche Minimum, vielleicht brauchst du dafür auch den gesamten Jänner. Ich würde sagen: Genau dafür ist er da! Genieße die kalten Monate, gönne dir viel Zeit mit dir und deinen Liebsten. Geh im Wald spazieren oder gemütlich laufen. Halte inne und bestaune den Winterhimmel und auch den Nebel. Er ist gar nicht so unsympathisch, wenn du deinen Fokus wegbringst von der scheinbar dringend nötigen Betriebsamkeit.

Ziele? Nur wenn du das brauchst

Es ist so üblich, dass wir uns Ziele feststecken, weil es angeblich ohne nicht geht. Doch das glaube ich nicht. Ich wäre nicht über 20 Jahre lang erfolgreich selbstständig, denn ich habe mir diese Mühe nie gemacht. Ich fand das immer so gekünstelt. Was weiß denn ich, was in den nächsten Monaten auf mich wartet? Ich definiere daher keine Ziele, sondern nur eine Stoßrichtung. Ich kenne mein WOFÜR!

  • Wofür soll es gut sein, dass ich mich auch dieses Jahr wieder an den Computer setze und schreibe?
  • Was soll Gutes dabei herauskommen?
  • Ist dieses Wofür auch das, wofür du brennst? Was du wirklich gerne tun willst, weil es deinen Werten entspricht? Prüfe das genau!
  • Und dann gehe einen Schritt weiter: Kannst du es auch (oder fehlt dir vielleicht eine Weiterbildung, ein Tool etc.)? Hast du auch wirklich Lust drauf?

Diese Fragen erscheinen mir äußerst sinnvoll. Wenn ich sie sehr klar beantworten kann, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Probiere es einmal aus!

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2 Antworten

  1. Liebe Daniela,
    danke für Deinen inspirierenden Beitrag.

    Bin voll im Wintermodus und tue mich gerade schwer mit Entscheidungen bezüglich Terminanfragen. Aber da kommt man halt nicht aus.

    Wünsche Dir zuverSICHTliche Schritte auf den neuen Wegen.

    Herzliche Neujahrsgrüße

    Beatrice

    1. Liebe Beatrice, das verstehe ich gut. Den natürlichen Rhythmen zu folgen, das ist in unserer Gesellschaft nicht vorgesehen. Ich wünsche dir, dass du ansonsten viel Gestaltungsraum hast, um deinen Bedürfnissen zu folgen!

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Wer hier schreibt

Ich bin Daniela Pucher, Autorin und Coach mit Sinn für den Eigensinn. Wenn ich nicht gerade anderen Autor*innen helfe, ihr Sachbuch zu schreiben, schreibe ich eigene Bücher. (www.daniela-pucher.at) Und seit Anfang 2024 schreibe ich hier über das bunte, fitte, sinnvolle Leben.

Dieses Magazin ist jedenfalls kein Ich-weiß-alles-und-sag-dir-wie’s-geht-Blog. Sondern eines, das dich inspirieren soll, dir Anregungen bietet oder dich auch einfach nur unterhält. Wenn ich dich bei deinen Lebensprojekten unterstützen soll – ich freue mich auf deine Nachricht!

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