bunter, fitter, sinnvoll leben

Sport abseits von schneller, weiter, höher

Kürzlich erst wieder im Gespräch mit einer Bekannten. Ich erzählte ihr, dass ich ein bisschen traurig bin, weil ich wieder einmal nicht im Wald laufen kann. Das Knie, das Kreuz. „Ach“, sagt sie, „Sport. Das wäre sowieso nix für mich. Dieses ewige Kräftemessen. Wozu das alles!“

Sport ist Unterhaltung abseits von schneller, weiter, höher

Erstaunlich, dass sich die Meinung so hartnäckig hält, dass Sport nur dann Sport sei, wenn man Wettbewerbe bestreite. Oder auch: Man trainiere ausschließlich nur deshalb, um bei einem Wettbewerb einen Platz auf dem Stockerl zu ergattern. Alles eine ziemlich bierernste Angelegenheit also, bei der es wieder einmal um Leistung geht. Als hätten wir nicht genug Leistungsdruck im Job!

Ich habe mit einem Sportwissenschaftler einmal darüber diskutiert. „Wie ist das“, fragte ich, „wenn ich einen Trailrun hinlege, um für einen Wettkampf zu trainieren, dann ist das Sport. Wenn ich denselben Trailrun laufe, ohne für einen Wettbewerb zu trainieren, dann ist das kein Sport? Das verstehe ich nicht. Ich strenge mich an, schwitze und keuche mich hoch bis zum Gipfel, würde meine Fitness verbessern, und trotzdem: kein Sport?“ Nein, meinte er, das sei dann Bewegung an der frischen Luft.

Das hat mich umgehauen. Ich sportle also nicht, ich bewege mich. Man sollte den Damen und Herren der Wissenschaft einmal sagen, wie demotivierend das für die meisten Hobbysportler ist. Einmal die Eiger-Nordwand hochklettern ist genauso kein Sport, sondern nur Bewegung wie einmal um den Häuserblock spazieren. Wenn ich nur aus purer Freude eine halbe Stunde ein paar ambitionierte Längen im Schwimmbad kraule, ist das so wie wenn ich in der Badewanne liege und mit den Zehen wackle. Waldläufe, Radtouren, Kraultraining, das gesamte Fitnessprogramm aller Sportlerinnen und Sportler: kein Sport. Soso.

Sport heißt sich vergnügen

Und dann las ich Wolfgang Behringers „Kulturgeschichte des Sports“*) und stieß auf die etymologische Bedeutung des Worts „Sport“. Warum bin ich als Sprachenfrau da bloß nicht selbst draufgekommen, im Duden-Herkunftswörterbuch nachzulesen! Wie auch immer. Da steht also, dass der englische Terminus sport vom altfranzösischen Wort se desporter kommt und das sich wiederum vom lateinischen de(s)portare ableitet. Was so viel heißt wie „sich vergnügen“. Im Französischen, so lese ich weiter, taucht das Wort bereits im 13. Jahrhundert auf mit der Bedeutung „unterhalten werden“.

Nehmt das, ihr gestrengen Sportwissenschaftler! Da soll mir jetzt noch einer daherkommen und sagen, Sport sei ausschließlich mit dem Leistungsgedanken verbunden. Fehlanzeige! „Königin Katharina von Aragón und der gesamte Hofadel passed the summer in disports“, zitiert Behringer. Sie ritten, jagten, übten sich in Bogenschießen, Federball, Tennis, Ringen, Bowling, Darts und vielen anderen Sportarten. Dabei ging es durchaus um Kräftemessen, und doch war die Zerstreuung, die Unterhaltung mit dabei.

Lasst uns umdenken: Sportlich sein = einen coolen Zeitvertreib haben

Das ist doch eigentlich nicht anders, als wir es im sogenannten Breitensport handhaben, oder? Wer möchte, stellt sich einem Kräftemessen und kassiert dafür hoffentlich eine Siegerprämie. Wer nicht mag, der vergleicht sich nur zum Spaß oder gar nicht und hat einfach nur eine schöne Zeit. Der Hofadel im 15. Jahrhundert traf sich in der Arena, um die Ritterspielen zu verfolgen – wir hocken vor dem Fernseher und verfolgen die Fußballweltmeisterschaft oder die Olympischen Sommerspiele.

Nur in Sachen aktivem se desporter sollten wir unseren Vorfahren ein bisschen etwas abschauen und regelmäßig Sport treiben, anstatt vor dem Fernseher beim Passivsport zu versumpern. Für mich ist Sport der coolste Zeitvertreib, das Hobby mit dem höchsten Sinngehalt, den ich mir nur vorstellen kann: macht Spaß, hält mich fit und gesund, hilft mir bei Stress, hilft mir, mein Gewicht zu halten und vieles anderes mehr.

Nicht nur olympische Disziplinen sind „echter Sport“

Noch einen Vorschlag zum Umdenken habe ich: Was auch immer du tust, es ist egal, ob das eine „echte“ Sportart ist oder nicht. „Ich mache keinen Sport, ich gehe ja nur tanzen“, höre ich. Ja aber hallo! Schau dir doch bei der nächsten „Dancing Stars“-Ausgabe die Profitänzer an: durchtrainierte Körper bis in den kleinen Zeh! Und egal, ob du in der Disco abshakest, Linedancing betreibst oder einen Boogie-Tanzkurs besuchst: Ich war immer durchgeschwitzt. Gerade das Tanzen ist körperlich anstrengend und außerdem gesund, weil es nicht nur die Ausdauer, sondern auch die Koordination, das Gleichgewichtsgefühl und das Gehirn trainiert. Und wer weiß, ob Tanzen nicht doch eines Tages olympisch wird. Sackhüpfen würdest du vermutlich auch nicht als Sport bezeichnen, oder? Und doch gab es bei den Olympischen Spielen 1904 einen Sackhüpf-Wettbewerb!

*) Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Sports. Vom antiken Olympia bis ins 21. Jahrhundert. C.H.Beck 2012


Ich bin Daniela Pucher, Autorin und Coach mit Sinn für den Eigensinn. Wenn ich nicht gerade anderen Autor*innen helfe, ihr Sachbuch zu schreiben (www.daniela-pucher.at), schreibe ich eigene Bücher. Und seit Anfang 2024 schreibe ich hier über das Sinnvolle im Leben: dem eigenen Sinn zu folgen (aka Eigensinn!), sich mit dem Älterwerden zu beschäftigen und dies als lebenslangen Lernprozess zu begreifen. Und ist Gesundheit nicht das Sinnvollste überhaupt, das es zu erhalten gibt, so lange wie möglich?

Dieses Blog ist jedenfalls kein Ich-weiß-alles-und-sag-dir-wie’s-geht-Blog. Sondern eines, das dich inspirieren soll, dein Leben so zu gestalten, dass es sinnerfüllt ist. Wenn du mein Sinncoaching brauchst – ich freue mich auf deine Nachricht! Auf dass du dich auf eine lange, erfüllte, zufriedene und gesunde Zukunft freuen kannst.

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